Fragen sind frech und verboten, wer kritisiert wird beleidigt.

Ich war einen Tag lang auf der Facebook-Seite der AfD Solingen unterwegs. Warum, fragt man sich zurecht. Angefangen hat alles damit, dass ich durch die Reconquista Internet auf einen Post aufmerksam wurde, der in sich schon sehr widerlich ist, aber nicht mehr wirklich für Verwunderung sorgt, beobachten wir doch alle seit geraumer Zeit, wie die AfD immer weiter und weiter nach rechts rückt. Wir sind doch alle schon deutlich abgestumpft was das politische Klima und insbesondere die alltäglichen Mausrutscher gewisser Politiker*innen angeht. Während die AfD sich immer noch gerne in die Opferrolle rückt und meint man wolle ihnen die Meinung verbieten, kann man heutzutage doch so ziemlich alles sagen und mehr oder minder ungeschoren davonkommen.

Wie dem auch sei, auf den Post selbst möchte ich gar nicht tiefer eingehen. Meines Erachtens verdient er keine Aufmerksamkeit. Nur so viel: Es ging um den rechtsextremen Solinger Brandanschlag der fünf Menschen das Leben kostete und sich übermorgen das 25. mal jährt.

Was aber Aufmerksamkeit verdient, vor allem in diesen Tagen, in denen immer wieder Schreie über Blocklisten durch die Politik und Medien gehen, ist das Verhalten der AfD Solingen auf Facebook. Mal ganz unabhängig von den Inhalten, lassen wir doch die Meinung, Meinung sein. Ich will nur einmal darauf hinweisen, wie sich hier erwachsene Menschen, im Namen ihrer Partei mit Anspruch auf Volksnähe verhalten.

Alles fing an mit einem Kommentar, man hätte eine Nutzerin „auf Grund grober geistiger Defizite“ gesperrt.

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Natürlich liegt der Verdacht nahe, dass es sich hierbei nur um jemanden handelte, die eine andere Meinung hatte, aber dazu später mehr. Zusammen mit ein paar anderen nahm wir die Verfasser erst einmal beim Wort. Sie hatten also jemanden gesperrt, weil diese Person – nach eigener Einschätzung der AfD-Solingen – nicht den intellektuellen Ansprüchen der Partei entsprach. Also vielleicht eine Lernschwäche oder eine andere geistige Einschränkung hatte. Erstmal ist das anmaßend zu glauben, man könne das so schnell diagnostizieren, aber selbst wenn es stimmen würde, wäre es nichts weiter als eine harte Diskriminierung von Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen. Man darf Menschen nicht einfach so von der Gesellschaft ausschließen und als Partei hat man die Gesellschaft als Ganzes zu vertreten – zumindest sollte man den Anspruch haben. Bei der ein oder anderen weckte das alte Erinnerungen an Opfer der Euthanasie der Nazis, zurecht.

Aber zurück zu der Tatsache, dass die Mitglieder und Anhänger AfD immer die ersten sind die von dem Zerfall der Meinungsfreiheit und Zensur schreien. Eine kleine Erinnerung: Es ist gerade mal zwei Wochen her, dass der Reconquista Internet (einer komplett aus Privatpersonen bestehenden, freien Bürgerbewegung, die sich für einen freundlicheren Diskurs im Internet einsetzt) Neo-Faschismus und Stasi-Methodik unterstellt wurde und die AfD eine „kleine Anfrage“ im Bundestag gestellt hat, die sich wieder auf die „Blocklisten“ bezog. Hier mal eine Zusammenfassung zu den Blocklisten als Hintergrund-Info. Über diese Listen kann man sich übrigens streiten und viele Reconquista Internet Mitglieder lehnen auch ab diese zu Nutzen. Trotzdem kann jede Privatperson natürlich vollkommen frei entscheiden, wen sie blockt und wen nicht. Parteien dürfen das auch, rechtlich ist es zumindest nicht relevant, man muss sich aber schon fragen wer hier wen zensiert, wenn man sich den weiteren Verlauf der Kommentare anschaut.

Denn: Die AfD Solingen bekam für ihren Post einiges an Gegenwind, wovon man jetzt leider nicht mehr allzu viel findet. Innerhalb von Minuten wurde alles, was anderer Meinung war entfernt und die Nutzer blockiert.

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Und schon wieder weg:

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Nach eigener Aussage, wurde jedoch nur gelöscht, was Beleidigung, Hetze und „schwachsinnige Kommentare“ wären (wieder so ein fragwürdiger Ausdruck):

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Dabei konnten wir leider gar keine Beleidigungen in den Kommentaren finden, ausser jenen, die von der Partei selbst kamen:

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Wer gerne noch mehr möchte, kann sich hier (Twitter!) noch die zusammengetragenen Screenshots ansehen. Bonus ist ein Weinen-Vor-Lachen Emoji-Kommentar der AfD Solingen weiter unten. Was wir meinen interessiert sie nicht, wir würden sie ja eh nie wählen. Trotzdem hatten sie gestern Abend gar kein Problem sich eine Narrative aus den restlichen Kommentaren zu basteln und sich in die Opferrolle zu stellen:

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Übrigens habe ich darauf mit denselben Screenshots wie hier reagiert, was aber nur dazu führte, dass ich geblockt wurde. Naja.

Heute Vormittag sind bis auf wenige 1-2 Stunden alte Kommentare alle Fragen nach dem massenhaften Löschen und Blockieren von Nutzern wieder gelöscht, genauso wie alle Gegenstimmen.

Also, was soll das alles? Mir war es ein Anliegen, das gesamte unprofessionelle und zensierende Vorgehen einmal festzuhalten, bildet euch bitte eure eigene Meinung daraus, aber nach meiner Einschätzung ist das weder demokratisch, noch wahrheitsgetreu.

**Noch ein kleiner Zusatz: Beleidigungen und massive Sperrungen sind bei den AfD-Kreisverbänden keine Neuheit, bei Interesse liefere ich gerne noch mehr Screenshots.

Kleine Mädchen, große Jungs und der weise Alte

In meinem Kopf regieren zur Zeit drei verschiedene Gedankenstränge, die ein gemeinsames Grundthema haben. Es geht um Respekt. Respekt vor dem Menschen, Respekt vor der Arbeit, Respekt vor dem (fehlendem) Alter. Und es geht um Arroganz. Es geht um Annika Klose, um dich und um mich.

Ich bin wütend. Es herrscht eine Respektlosigkeit die wir einander entgegen bringen, die mich meist nur noch verwundert. Ich bin verwundert über den Mangel an Selbstreflexion, der – vor allem, aber nicht nur – in den Köpfen alter Männer herrscht, besonders in einer Zeit des Women’s March und #metoo. Wenn wir uns Fragen, warum Frauen täglich und ständig sexuellem Druck ausgeliefert sind, wenn wir dem Kern dieser gesellschaftlichen Debatte auf den Grund gehen, dann sehen wir doch, dass es das allgemeine herablassende Gehabe gegenüber (jungen) Frauen und Menschen ist, das sich in alle Bereiche des Lebens auswirkt.

Fangen wir nochmal an. Annika Klose hält auf dem Bundesparteitag der SPD eine kraftvolle Rede, die ihr tosenden verdienten Applaus einbringt. Der Chefredakteur der Welt am Sonntag bezeichnet sie darauf hin als aufgeregtes Mädchen, er findet das absurd, dass die Kleine es mehr Zustimmung erhält als der große Martin. Ihren Namen hat er darüber vergessen, dass sie eine weibliche zarte Stimme hat, die sich hin und wieder während ihrer Rede etwas überschlägt. Annika Klose ist 25, hat einen Bachelor-Abschluss in Sozialwissenschaften und ein laufendes Masterstudium. Seit 2015 ist sie Vorsitzende der Berliner Jusos. Annika Klose kontert im Telefoninterview mit der Berliner Zeitung souverän sie sei nicht verletzt aber verärgert und betont, dass das jetzt kein Fall von #metoo ist, denn sie weiß sicher genau, das Frauen viel schwerwiegender Leiden. Aber es ist dennoch ein gesellschaftliches Problem, das jungen Frauen nicht nur in der Politik nicht fremd ist. Es ist abgrundtief nervig, wenn jede intellektuelle Anstrengung ein Kampf gegen die Vorurteile und Herrenwitze von unreflektierten und erfolgsverwöhnten Waschlappen ist.

Eine Bekannte äußerte mir gegenüber neulich ihren Unmut, der bei der Arbeit entsteht, denn sie fühle sich wie in einem Jungs-Hobbyclub, allein unter männlichen Kollegen, denen sie immer Beifall für ihre großartigen Ideen klatschen muss. Das Gefühl kenne ich, wie viele Andere, nur zu gut. Viele Männer haben tolle Karrieretipps an mich, ohne meinen Hintergrund zu kennen. Gerne auch, wenn sie industriefremd sind, also noch nie intensiveren Kontakt mit der Medienbranche hatten, als sich abends das Dschungelcamp reinzusehen. Da ist vor allem immer von einem dicken Fell die Rede. Das ist gut und wichtig, denn wir Frauen haben bisher nie lernen müssen stark zu sein. Es ist wichtig, das ein Mann vorbeikommt und uns sagt wir müssten jetzt lernen alles wegzustecken und hart zu sein, denn auf dem steinigen Weg in die Branche haben wir nicht unzählige Erfahrungen gemacht, die uns aufgeklärt hätten. Wer sich beschwert, also jammert, der will nicht etwa auf Missstände aufmerksam machen, sondern ist wohl einfach nicht hart genug.

Am Freitag letzter Woche schreibt mich der „begabteste Nachwuchs-Journalist“ (Zitat) auf Facebook an. Er plane ein größeres Format über die Model-Szene und würde gerne ein Interview mit mir führen, er halte mich als „Hobby-Model“ für eine gute Kandidatin. Ich möchte gerne mehr über seinen geplanten Artikel wissen und stelle nebenbei klar, dass ich das keineswegs als Hobby bezeichnen würde, sondern eher als eine Möglichkeit für einen lukrativen Nebenverdienst, den ich nicht mal aktiv suche. Er stellt zunächst mehr Fragen und als ich wiederhole, ich möchte gerne mehr wissen wird er zickig. Dann schickt er mir ein paar Screenshots von seinen BILD-Artikeln, allesamt reißerische, eindimensionale Influencer-Headlines à la „Lena von Instagram hat eine Nase!“. Ich bin nicht besonders begeistert, erkläre aber, dass ich ihm gerne ein Interview gebe, wenn ich betonen darf, dass das Modeln keineswegs mein Leben füllt und es mich eigentlich unglaublich nervt, dass ich mehr Anfragen bekomme für tfp-shoots als künstlerische Kollaborationen. Er kann das nicht nachvollziehen und wird relativ frech. Es ist wie es ist, ich soll froh sein, dass man mich geil findet und nicht jammern, dass man mir nicht mal zuhören will, wenn ich meine eigentlichen Ziele und Ambitionen äußere. Gut, fick dich. Es ist Montag Vormittag.

Die letzten zwei Monate habe ich neben Job und Uni für einen etablierten Filmemacher und sein Projekt an einer etablierten Filmuniversität gearbeitet. Kostenlos. Dafür, versprach er hoch und heilig und insbesondere Mehrfach in Wort und Schrift, einen Unterrichtstag in meiner Uni zu halten. Als wir uns in die Planung begeben, möchte er plötzlich Geld. Ich bin irritiert, denn von Geld war nie für mich noch für ihn die Rede. Dafür habe ich für ihn wochenlang Drehvorbereitungen getroffen, unzählige ganztägige Termine wahrgenommen, Geld ausgelegt, bin mit Fieber und Bronchitis (auf sein Verlangen!) zum zweitägigen Dreh erschienen und habe mir einen Urlaubstag geworden. Ich bitte ihn, mir eine Verhandlungsgrundlage zu nennen, er schwafelt von seiner großzügigen Jugendförderung, dass es sich rumspräche wenn er das kostenlos mache und erklärt mir dann, dass er sich nicht wohl fühle uns ein Angebot zu machen. „Also bitte den Plan abbrechen“ schreibt er und gibt mir dann abschließend noch einige Arbeitsaufträge. Ich denke mir „Ja, sowas spricht sich rum“ und denke darüber nach, wie gewohnt er mir gegenüber den Befehlston benutzt, während er gerade noch verkündete, die abgesprochene Gegenleistung nicht zu erbringen. Man kann es ihm wohl nicht verübeln, er macht das anscheinend seit einem halben Jahrhundert so.

Es geht um Respekt. Um Respekt vor dem Menschen, um Respekt vor der Arbeit. Wie soll ich diese Menschen und ihre Erfahrungen respektieren, wenn mir nur Missachtung entgegenschlägt? Und wieso sollte ich das tun? Das wüsste ich gerne – bis mir etwas dazu einfällt, bin ich erstmal rotzewütend, wie ein kleines Kind. So, wie man mich eben behandelt.

United Leggings-Gate//Sexism in the airline industry? (Part 1)

Over the last couple of days there has been great outrage over a United Airlines gate agent not permitting two girls on a plane because of their leggings. In the primary outrage it was completely forgotten to mention that those were pass travelers, hence traveling at an extremely low rate for airline staffers and their friends/family. The general perception of this incident was that United was suddenly policing women’s dress and that this was obviously sexist. However, the situation is a little more complicated (or simple, depending on how you look at it) since the dress-code applies to all genders and while leggings are mostly worn by females, their equivalent – sweat pants – would be an absolute no-go for pass travelers too. The dress-code is simply „business dress“ and it is an industrywide standard for pass travelers. If this rule is justified or not is a different question but it is unjustified to say that it is inherently sexist.

That being said, this has led me to some thoughts about sexism in the airline-industry (I used to be an airliner back in 2014) and I figured, while we’re talking about it anyways lets tackle some situations that are actually sexist and relevant in an industry that largely depends on female staff, who typically enter the job at a very young age.

So I am taking you on a little trip to explore the in’s and out’s of sexism in the world of air-travel. It is 3:45 am, your alarm rings and you have to get ready for work. Time to get your make-up game on – only if you’re female of course. The first and most interesting issue to me, since it is something that can be observed at most airlines, is the different standards that are produced in the context of the uniform regulation to show up nicely groomed. Because nicely groomed does not mean clean and fresh, at least not when it comes to how women are expected to show up at work. It means, if your aiming for good reviews by your superiors, with a complicated hairdo and a full face of make-up. Supposedly, that roots from a larger societal issue where women are expected to wear make-up if they want to appear „well-groomed“. While the practice of hiring only skinny beautiful women as flight attendants has been abandoned by the western world in modern days, the expectation to alter your appearance by covering your face in complicated paintings still stands. It begins at „styling day“ during training, where someone from the company comes in and teaches you how to style yourself for work. For the men that mostly means a day off. There really just isn’t much to talk about for male staff – „Don’t put on more than foundation“ (a double-standard in itself), „shave and style your maximum-shoulder-length hair a bit before you come to work“. So styling-day is a day for ladies to learn how much they have to do to themselves before they can be considered to look appropriate for customers to put their eyes on. And they teach you to put on a lot of make-up. The lesson here is that you don’t look like you take care of yourself unless you manipulate every single part of your face to look „better“.

At this point, let us take a moment to not forget that flight attendants are safety staff. The largest part of the training is an emergency-bootcamp where you are intentionally put under stress and have to study hard to pass. That is good because the real reasons those pretty ladies and gentlemen are on board is because they have to perform a larger number of safety duties in order to ensure everyone having a very safe journey. But doesn’t it feel disrespectful then to apply a large number of grooming regulations to well-trained workers who risk their lives and sacrifice various parts of their thoroughly tested health for the customers safety? The answer is yes and not only for logistic reasons, which are simply time and money spend on a full face of make-up that doesn’t melt in a 13-hour shift of physical work and doesn’t have to be retouched all the time. It also teaches young women that their natural look is somehow offensive to paying customers and that it is disrespectful not to do lots of things in order to hide it. And even if a company itself is not enforcing the make-up rules harshly it creates an atmosphere between employees to call each other out on their appearance, at times mock a fellow safety worker for their choice of lipstick color or a senior staffer actually lecturing a junior on their grooming standards. In fact, I believe that many of my former peers might feel alienated by this post since within the industry you often encounter a mindset of „This is the way it is, look at all the shiny things we get, if you don’t like it get out“. But, what can I say? I already got out and I don’t feel like it hurts to discuss some things every now and again.

Great, so we got up 45 minutes before our male roommate and applied our warpaint, let’s put on our uniform and head to the airport. Uniform is a bit of a tricky subject, on one hand women usually have a larger number of items to choose from but on the other hand a lot of female airline uniforms are borderline inappropriate, uncomfortable or just downright insulting to the profession. Some airlines options for females are extremely revealing and some skirts are so short that you just know the passengers are going to get a good look at your backside when you stretch to close the overhead compartments. Flight attendants are supposed to be safety workers in disguise, meaning they should look like hostesses but fight like soldiers. As everyone knows, one performs best in a tight miniskirt. In most cases a female staffers choices are between a dress, a skirt and a pair of trousers. Now, if you decide not to take the trousers because, like in my case, they make look like actual clown-pants on you and you just got indoctrinated about having to look your best at work, that means you end up having to wear nylons every day. Nylons in themselves are a safety hazard and probably the worst clothing to fight a possible fire – although they can be used to make a nice pressure bandage. They are also another financial factor since they can only be used 2-4 times before you need another pair and if they have to be a specific tone of red like at my former company you end up buying a pair per week from the company. Awesome. That only sums up to about 40€ a month that you are paying back from your salary. Nylons are also really impractical and rip during work all the time, something that your peers will not get tired to point out if it happens to you and you better always carry two spare pairs per shift. To be fair, you could have chosen the pants, however some airlines do not offer pants or discourage their female staff from wearing those and, as I said before, it has already previously been ingrained in your brain that you need to look super pretty and that there are rules to what qualifies as pretty. I encourage you to look up the different uniform options airlines offer for females/males and think for yourself which of those you find more sexualizing or respectful to the employee.

But OK, you’ve got your make-up, you brought a washing load of nylons and your sexy dress now all you have to do is put on your shoes. While you are usually not forced to wear heels all the time, a lot of airlines only offer flats to wear during in-flight duties and some places it is frowned upon entirely. It is common practice for female airliners to have two pairs of shoes with them during a shift, heels for the boarding/deboarding process and walking around at the airport and flats for inflight service, when passengers cannot see your ugly little feet in flats. In case of emergency, react instantly but don’t forget to take your shoes of first. Obviously the male staffers are free of the weight of changing shoes mid-shift or performing physical duties on unhealthy, impractical footwear. In addition to the insanity that wearing heels as a flight attendant is anyways, the company might need you to wear shoes in a specific tone of color again which will leave you with uniform shoes. Now, the problem with uniform shoes is that everyones feet are different. At my prior employer, the females wear red company shoes while the males get to choose their own black shoes. Even if a company offers 3 different types of shoes for the employees that will leave many of thousands of employees with individual feet wearing one of those types during all their shifts because the others simply don’t fit. If those are the highest, you’re just going to bite your tongue and put your head up high while your feet slowly deform to bunions because you are wearing the same pair of ill-fitting heels for 13-hour shifts on your feet every day. If that leaves you unfit to work after a couple of years, you’re just going to have to live with that I suppose.

You’re dressed now, you can go work. Will you experience some in-flight sexism? Let’s find out in the next post.

Drei Tage müde

„Drei Tage wach…“ das wäre der Horror. Ich bin jetzt seit ca. fünf Jahren müde, egal wie viel ich schlafe. Ich bin damit nicht alleine, gerade rutschen wir aus dem Winterschlaf in die Frühjahrsmüdigkeit. Da können Ärzte noch so viele Bluttests machen, mir fehlt nichts. Ich bin einfach müde. Die Hoffnung, dass das nochmal besser wird, wird mir auch genommen – jeder der einen Müh älter ist, sagt mir bloß, dass das noch schlimmer wird. Es gibt ja viele Erklärungen warum man gerade müde ist. Zu wenig Schlaf, klar, müde. Zu viel schlaf, klar, müde. Anscheinend muss man den perfekten Punkt treffen um wach genug für das Leben zu sein.

Was soll das ganze Geblubber über Müdigkeit?

Ich hab versprochen zwei Mal die Woche zu schreiben. Heute ist Sonntag und ich habe erst einen Artikel geschrieben. Ich bin aber einfach zu müde, mein Kopf ist so leer. Müde, müde…mü…de…

Ich wünsche einen schläfrigen Sonntag!

Eine Antwort auf die Diskussionseinladung von taz.meinland

Die taz.meinland-Redaktion hat einen Leserinnenbrief erhalten, den sie gerne zu Diskussion stellen würde. Hier vorab der Link: http://blogs.taz.de/meinland/2017/02/14/leserinnenbrief-nicht-ohne-ruecksichtnahme/

Also, die Leserin möchte klarstellen, dass sie durch die gemeinnützige Arbeit, die sie in der Vergangenheit geleistet hat, keinesfalls rechte Gedanken haben kann. Das kann man so erstmal nicht annehmen. Genauso wie man früher der rechten Szenen angehören konnte und sich heute bei Aussteiger-Organisationen engagieren kann, kann man auch früher bei Amnesty International gewesen sein und heute rechtes Gedankengut unterstützen. Aber das nur vorweg.

Sie sagt, dass Deutschland im heutigen Zustand nicht mehr ihr Land sei. Mich interessiert, wie sie das meint. Meint sie soziale Ungerechtigkeit oder bezieht sie sich auf einen etwaigen Kulturumbau? Das macht viel aus. Leider ist der Brief gekürzt, darum ist es nicht möglich einzuschätzen ob sie hier weitere Details geliefert hat oder nicht. In jedem Fall ist es eine hoch emotionale Aussage, die sich ihre spezifische Lebenssituation bezieht und es ist schade, dass sie sich so fühlt. Ich gehe mal vom Besten aus und nehme an sie meint eine soziale Ungerechtigkeit. Dafür spricht auch, dass sie sich später im Brief darüber beschwert.

Die „unkontrolliert Grenzöffnung“ sei ein Gesetzesbruch, sagt sie. Es gab keine unkontrollierte Grenzöffnung. Das würde bedeuten, dass heute jeder, egal ob Bosnier, Chinese oder Syrer komplett unbürokratisch und ohne freiheitliche Begrenzungen einreisen könnte. Das ist aber nicht so. Es gab eine Grenzöffnung spezifisch für syrische Flüchtlinge, Menschen die zur Zeit ganz absonderlich leiden. Ein chaotisches Treppenhaus (überspitzte Annahme ihres Leids) ist leider nicht ansatzweise mit einem von Bomben verschütteten Kleinkind zu vergleichen.

Sie sagt selbst, dass für die Situation des „kleinen Mannes“ nicht die Flüchtlinge verantwortlich sind, scheint aber im nächsten Moment die Lösung des Problems in einem Weniger an Flüchtlingen zu sehen. Der kleine Mann badet die Situation nicht aus, dem kleinen Mann geht es nicht besonders gut (schlecht, schlecht kann man nur sagen, wenn man noch nie gesehen hat wie es armen Menschen in weniger privilegierten Ländern der Welt geht) – völlig egal ob nun Flüchtlinge da sind oder nicht. Der kleine Mann durfte vor den Flüchtlingen auch nicht kostenlos Bahn fahren. Sie sagt selbst, dass hier Notleidende gegeneinander ausgespielt werden, verfehlt aber daraus die notwendigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Ja, hier geht es vielen Menschen nicht gut, ja, es gibt schwere Probleme, die Menschen bisweilen extrem perspektivlos machen. Aber man muss doch verstehen, dass das auch vor drei Jahren schon so war. Wer spielt die Menschen gegeneinander aus? Der Staat? Der hat diese verquere Idee, dass die armen für die noch ärmeren zahlen nicht in die Welt gesetzt. Das war die AfD und das war dieser unschöne menschliche Komplex unbedingt nach unten treten zu wollen. Endlich, etwas unter uns auf das wir treten können. Früher haben Rechte Obdachlose angezündet, heute demonstrieren Rechte plötzlich angeblich für Obdachlose.

„Deren Kultur ist eine völlig andere“. Ja, und? Früher, als die Italiener kamen, hat man auch gesagt die könne man unmöglich integrieren. Heute stopft sich jeder mit Pizza und Co. voll und denkt nicht mal daran Italiener rassistisch zu beleidigen, wäre auch albern, während der Mund so voll ist. Was ist der große deutsche Wert, den diese Frau verloren sieht? In ihrem Haus wohnt auch eine Familie, das seien zu viele. Das halte ich für unmöglich, es sei denn die Frau wohnt in einem Einfamilienhaus.

Liebe taz-Leserin-der-ersten-Stunde, Sie scheinen kein durchweg schlechter Mensch zu sein und es sind doch auch Ansätze da, die zeigen dass Sie verstehen, dass die Ungerechtigkeit in Ihrem und meinem Land nicht von den Flüchtlingen verursacht wurde, sondern von jenen wenigen Menschen ausgeht, die am allermeisten haben. Ich unterstelle Ihnen beste Charakterzüge und behaupte einfach mal, dass Sie erst vor kurzem auf die Ungerechtigkeit aufmerksam geworden sind. Ich reiche Ihnen und allen Anderen, die zur Zeit nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen die Hand und möchte nur, dass Sie sich nicht von Neid auf Bahntickets und Sozialwohnungen zerfressen lassen, sondern dass Sie mit mir gegen Ungerechtigkeit und gegen jene, die am meisten davon haben (…Sie wissen schon – nicht die Flüchtlinge!) kämpfen, damit es uns allen besser geht. Lassen Sie uns zusammen dem Gutmenschentum frönen und fühlen Sie sich nicht allein, damit Sie nicht hassen müssen, sondern sich erinnern, dass Sie sich früher auch für Menschlichkeit und Zusammenhalt eingesetzt haben.

Grüße aus dem Erdgeschoss, Hinterhaus, Ofenheizung, 34 qm

-Eine taz-Leserin seit dem sechsten Lebensjahr mit Mindestlohn-Minijob.

 

 

 

Alle verrückt, außer mir?

Das ist doch so, oder? Echochambers sind anscheinend neuerdings daran Schuld, dass alle verrückt sind, außer man selbst.

Kann sein. Standardmäßig bekommen wir heutzutage im Internet zurückgeschallt was wir sowieso schon denken. Aber die Frage ist dann doch, ob das früher so viel anders war oder ob die persönliche Echochamber eben der neuste Dorfklatsch oder 15 Minuten Tagesschau waren.

Vielleicht liegt es doch an einer kränklichen Diskussionskultur. Wer eine andere Wahrnehmung der Realität hat als wir, der ist doch verrückt. Paradebeispiel und vielleicht auch Triebwerk ist Twitter, wenn Amerikaner schreien in Europa herrschen doch Kriegszustand und Merkel würde das weiße Volk abschlachten, dann kann man leider nur mit 140 Zeichen antworten und da solche Aussagen so abgrundtief falsch und uninformiert sind muss man sich entscheiden, ob man nun einen Tweetstorm loslässt und Wort für Wort auseinander nimmt wieso das falsch ist und versucht herauszufinden woher dieser Glauben kommt, oder ob man es lieber sein und den Verrückten verrückt lässt. Einfacherer ist das Zweite und damit endet dann jedes Gespräch.

Problematischer Weise endet jede Diskussion, sobald man sich nur noch darauf einstellt, dass das Gegenüber verrückt ist, denn erstens ist mit verrückten diskutieren ja so ergiebig wie die Diskussion mit einem Kleinkind und zweitens ist es auch ein Totschlagargument, auf welches der Andere wahrscheinlich mit „Selber!!!“ antwortet. Tatsächlich muss man sich anhalten, häufiger mal nachzufragen warum jemand dieses oder jenes glaubt und dabei ein bisschen Raum lassen für die Annahme, dass man eventuell selbst in einer enger als gedachten Glaubenswelt gefangen ist. Dabei entstehen häufig ekel- bis schmerzhafte Gespräche – und am Ende fängt man vielleicht doch an sich zu beleidigen – aber es hilft dabei ein bisschen weniger selbstsicher und unreflektiert mit dem eigenen Weltbild umzugehen und manchmal kommt es sogar vor, dass der selbe positive Effekt bei dem Anderen eintritt.

Werkzeug dafür sind einfach Fragen. Warum denkst du das? Warum sagst du das? Was meinst du genau? Fragen haben zwei Vorteile gegenüber Fakten: Sie haben nicht den gleichen „aggressiven“ Unterton direkt diskreditieren zu wollen was Menschen ganz zeitgeistlich postfaktisch (Note: postfaktisch, sind wie früher die Hipster, immer nur die Anderen, oder?) glauben und bieten damit eher die Möglichkeit ein Gespräch zu führen und vielleicht die andere Person von der eigenen Position zu überzeugen. Andererseits sind sie still entwaffnend. Wer nur emotional hetzen will, hat auf Nachfragen keine Antworten – dann kann man das Gespräch so stehen lassen und für die Allgemeinheit sind die Beweggründe relativ offensichtlich.

Das kann man eigentlich immer so machen. Im Internet, mit dem Partner, mit echten Menschen auf der echten Straße, die einem mit wirrem Zeug das Ohr abkauen. Es geht nicht immer, weil man selbst auch ein emotionales Wesen ist – ich kann und will zum Beispiel nicht mit Nazis diskutieren, weil ich deren Ideen widerlich finde und das Gespräch nicht rational führen könnte, aber wenn jemand anders in der Hinsicht ein dickeres Fell hat, kann er es gerne probieren.

Im Wesentlichen gibt es zwei Eckpunkte: Fragen sind die bessere Antwort als Fakten und wer den Wahnsinn ausruft hat verloren, denn dann ist jeder Diskurs vorbei.

 

Wohin mit der Aufmerksamkeit?

Liegt es an mir oder haben wir den Nahen Osten verdrängt? Man kennt das ja, ewig ist etwas in den Medien das große Thema und irgendwann kommt etwas neues und der Hivemind richtet seine Aufmerksamkeit weiter. Seit dem 20. Januar scheint das einzige Weltgeschehen nur noch Trump zu sein. Trump und sein Insektenzirkus sind wie ein Autounfall, man kann einfach nicht wegsehen, obwohl es ein ziemlich abartiges Spektakel ist.

Amnesty International beklagt gerade Massenhinrichtungen in syrischen Gefängnissen und überhaupt kann man sich bei genauerem Nachdenken kaum vorstellen, dass die Krise der Geflohenen schlagartig vorbei ist. So wie der schmutzige Deal mit der Türkei die Geflüchteten zu „behalten“ uns „geholfen“ hat die humanitäre Krise zu vergessen, so hat die Absurdität der Nachrichtenlage in den USA uns vergessen lassen, dass wir immer noch eine grausame Krise der Menschheit erfahren – allein in Erinnerung gerufen durch Trumps „Muslim Ban“. Irgendwie tut es ja am Ende auch weniger weh den USA beim Abbau ihrer Demokratie zuzusehen, als sich mit dem eigentlichen Elend auf der Welt auseinanderzusetzen. Jetzt müssen wir nicht mehr (Zitat de Mazière) „diese Bilder ertragen“, sondern nur noch der verrücken Mandarine zuschauen. Klar, auch das erzeugt Weltschmerz, aber eben nicht so unerträglich wie das gravierende Leid von Millionen von Menschen. Also Leid das den Tod bedeutet. Leid das die betroffenen Menschen für immer traumatisiert.

Ich habe höchsten Respekt vor denen, die nicht von den Nachrichten aus den USA verführt wurden und noch anderen Nachrichten zuhören und denen die sich auch noch nicht vor lauter Zweifel von den Nachrichten abgewendet haben. Persönlich habe ich in den letzten Wochen ein wenig die wirklich schrecklichen Dinge in der Welt aus den Augen verloren, abgelenkt von einem sabberenden Clown. Ich will mich aber bessern und die Menschen in Syrien, im Libanon und hier in Deutschland nicht vergessen. Ich will mich jetzt wieder erinnern, an die, die maximal Leiden und wirklich unsere Hilfe brauchen.

Was bist du?

Antworten auf eine längst obsolete Frage.

Es ist die Zeit des Brexit, des mauernden, zerfallenden Europas und der lächerlich willkürlichen Einreiseverbote. Die Zeit in der „Menschen“ versuchen unsere Geschichte vergessen zu machen, damit wir bloß nicht sehen, was sich gerade wiederholt.

Nach Jahrzehnten der fortschreitenden, mittlerweile normalisierten, Globalisierung schreien mehr oder weniger plötzlich graue (respektive orangefarbene) Männer nach einer Rückkehr zur nationalen Denkweise. Das ist verrückt. Nicht nur, weil es eine durch und durch destruktive und gestrige Idee ist, sondern auch weil man versucht umzukehren, was sich längst nicht mehr umkehren lässt.

Viele von uns haben doch gar keine exakt definierte kulturelle Identität mehr. Schon in der Grundschule fragen die Kinder sich erstmal gründlich aus, welchen ethnisch-religiösen Hintergrund welches Kind hat – aber nicht weil sechsjährige etwa schon xenophobisch sind, sondern weil sie eben schon aus dem Kindergarten wissen, dass alle irgendwie anders zusammengebastelt sind und das spannend ist.

Wir können uns in der Mehrheit nicht mehr einfach auf Basis von Nationalitäten oder Religionen definieren. Und die Mehrheit von uns „Mischmenschen“ reagiert verwirrt auf die Frage, wohin wir gehören. Wie ist kulturelle Identität denn definiert? Ich bin auf meinem Pass Deutsche und bin Deutschland geboren sowie zum größten Teil aufgewachsen. Ich bin also Deutsche? Ich bin aber auch irgendwie Italienerin, weil die Hälfte meiner Familie aus Italienern besteht und ich damit ja doch auch kulturell geprägt bin. Man kann die Definition auch weiter fassen und sagen – du bist der Kultur zugehörig in der du lebst. In diesem Sinne wäre ich dann viele Jahre Deutsche mit Migrationshintergrund, ein Jahr lang Österreicherin  und ein Jahr lang Chinesin gewesen, was aber auch absurd ist, denn das hat mit meiner Identität ja nichts mehr zu tun.

So viele Menschen der neuen Generation von Erwachsenen hat so viel Zeit überall auf der Welt verbracht, wir studieren mit einer Selbstverständlichkeit im Ausland, wir haben Eltern die aus allen Teilen der Welt kommen und Großeltern die auch schon von überall emigriert sind. Wir sehen anders aus als der Stereotyp einer Nationalität es vorsieht, unsere Pässe sind nicht Repräsentative unserer persönlichen Kulturidentität und wir stehen im Kontakt mit der ganzen Welt.

Um die Frage nach dem „Was bist du?“ zu beantworten, sagen ich und viele in meinem Umkreis meist dann doch einfach nur „Europäer“. Wir sind in einer globalisierten Welt aufgewachsen und haben unsere Denkweisen angepasst. Europagegner, ihr wisst schon, die alten Grauen (grau, wie bei Momo, nicht grau wie die Haare, obgleich da oft ein Zusammenhang besteht) Menschen, wollen uns das auf einmal wegnehmen – in Großbritannien wird einer ganzen Generation ein selbstverständliches Gefühl der (Reise)Freiheit entrissen und man versucht uns ein Selbstbild aufzuzwingen, dass mit unserem persönlichen Leben überhaupt nichts mehr zu tun hat. In den USA erhängt ein Mensch mit einem urzeitlichem Weltbild Einreiseverbote für Menschen, die letztendlich auf der ganzen Welt leben.

Das ergibt doch keinen Sinn mehr. Wir sprechen zwei, drei oder sogar vier Sprachen und wurden ausgebildet um auf einem internationalen Arbeitsmarkt zu bestehen. Die Welt ist nicht mehr von hier bis zum Bäcker und vielleicht noch einmal im Jahr an die Ostsee.

Die Hoffnung ist, dass das neue aufkommen der internationalen Nationalisten (das Paradoxon des Jahrzehnts) ein letztes Aufbäumen einer längst obsoleten Denkweise ist, bevor sie gänzlich ausstirbt.

Wir sind alle gleich, weil wir alle anders sind. Wir können alle zusammenstehen, weil wir Menschen sind und nicht Stammeskrieger. Wir haben doch keine Angst, vor jemandem der anders ist, weil wir doch auch anders als alle anderen sind, richtig?

Ich habe aufgegeben Angst vor der Weltübernahme durch die ewig gestrigen Redner zu haben, weil mein Glaube an die Diversität und dadurch endlose kulturelle Freiheit der Weltkultur sich einfach nicht erschüttern lässt. Wir müssen uns nur die Hand reichen, denn wir, die die nicht einfach nur eine alte Schublade sind, sind in der überwältigenden Mehrheit. Brexit ist unser Problem. Trump ist unser Problem. Syrien ist unser Problem. Israel und Palästina sind unser Problem.*

Alles ist unser Problem, weil unser Leben gerade erst begonnen hat, also lasst uns daran arbeiten die Probleme zu lösen.

 

*Jetzt bitte kein Whataboutism. Es gibt noch viel, viel mehr Problemherde in der Welt und ich habe nicht absichtlich irgendeines herausgelassen, aber dieser Artikel wird zu lang, wenn ich 900 verschiedene Weltschmerzen aufzähle.

Mach einfach mal was.

Der erste Ansatz eines Versuches das Heute zu sortieren. Für die pessimistischen Träumer unter uns.

Willkommen im Jahrzehnt der ewig ziellosen Spätjugend.

Wie viele Menschen kennst du, zwischen 19 und 33, die die Frage, was sie aus ihrem Leben machen wollen gar nicht beantworten können? Wie viele aus dieser Altersgruppe haben vage Ziele, aber keinen Weg? Wie viele Menschen kennst du, die augenscheinlich eine Schwiegermutter-entzückende Karriere haben, aber jetzt schon lamentieren ihr Leben nicht zielführend zu leben?

Es fühlt sich oft an, als wären es alle. Alle um mich herum. Der Eine studiert Jura und wäre aber lieber Floßbauer in Thailand, die Andere krampft sich durch das Wirrwarr einer potentiell einmal künstlerischen Karriere und wünscht sich sie hätte einfach Jura studiert, obgleich die Vorstellung eines Bürojobs für sie die Hölle ist. Das sind nur zwei willkürliche Beispiele. Jeder, der einen jungen Erwachsenen kennt, kennt die Hilflosigkeit dieser Generation – um es mal ganz verallgemeinert auszudrücken.

Manche von uns scheinen restlos verrückt und wollen tatsächlich etwas künstlerisches machen. Ohne Alternative, wollen sie gar ihre Träume nicht einfach aufgeben. Es melden sich Experten zu Wort, man habe uns in der Schule und Zuhause zu viele Hoffnungen gemacht, dass wir einmal etwas schaffen könnten. Dass wir irgendwie eine Bedeutung haben in der Welt.

Druck ist überall. Druck eine Entscheidung zu treffen. Schon mit Anfang zwanzig sind wir vermeintlich umzingelt von Menschen die jünger und erfolgreicher sind. Die einzige Antwort: Wir sollen vergessen, dass uns damals gesagt wurde wir seien besonders. Sind wir nicht, wir sollen uns darauf einstellen höchstens als mittelmäßig wahrgenommen zu werden. Na prima, ich spring dann mal kopfüber in die Depression der Hoffnungslosigkeit, wenn es genehm ist, ja?

Gott sei Dank reicht eine Beschwerde, ein Wunsch nach Orientierung und man bekommt eindeutige Ratschläge: Geh studieren! Was denn? Irgendwas, ohne einen Uniabschluss, bist du nichts! – Uniabschlüsse sind heutzutage Zeitverschwendung, geh einfach deinen Weg! Ja, wie denn? Na, mach doch mal einfach was!

Und was soll das sein? Wie viel ist Arbeit wert, wenn sie keiner sieht? Vergessen wir mal das Geld, tun wir einfach so, als bräuchten wir das sowieso nicht. Kann ich mich Autorin nennen, wenn ich für mich selbst Notizbuch über Notizbuch vollkritzle? Hilft es wenn ich etwas davon vor vier Menschen auf einer offenen Bühne vorlese?

Und weil Geld ja doch nicht unnütz ist – Weiß noch jemand was heutzutage auf dem Arbeitsmarkt von Bedeutung ist?

Also. Was nun? My fellow millenials, what is the plan?

Ich persönlich mache mal weiter irgendwas.