Wohin mit der Aufmerksamkeit?

Liegt es an mir oder haben wir den Nahen Osten verdrängt? Man kennt das ja, ewig ist etwas in den Medien das große Thema und irgendwann kommt etwas neues und der Hivemind richtet seine Aufmerksamkeit weiter. Seit dem 20. Januar scheint das einzige Weltgeschehen nur noch Trump zu sein. Trump und sein Insektenzirkus sind wie ein Autounfall, man kann einfach nicht wegsehen, obwohl es ein ziemlich abartiges Spektakel ist.

Amnesty International beklagt gerade Massenhinrichtungen in syrischen Gefängnissen und überhaupt kann man sich bei genauerem Nachdenken kaum vorstellen, dass die Krise der Geflohenen schlagartig vorbei ist. So wie der schmutzige Deal mit der Türkei die Geflüchteten zu „behalten“ uns „geholfen“ hat die humanitäre Krise zu vergessen, so hat die Absurdität der Nachrichtenlage in den USA uns vergessen lassen, dass wir immer noch eine grausame Krise der Menschheit erfahren – allein in Erinnerung gerufen durch Trumps „Muslim Ban“. Irgendwie tut es ja am Ende auch weniger weh den USA beim Abbau ihrer Demokratie zuzusehen, als sich mit dem eigentlichen Elend auf der Welt auseinanderzusetzen. Jetzt müssen wir nicht mehr (Zitat de Mazière) „diese Bilder ertragen“, sondern nur noch der verrücken Mandarine zuschauen. Klar, auch das erzeugt Weltschmerz, aber eben nicht so unerträglich wie das gravierende Leid von Millionen von Menschen. Also Leid das den Tod bedeutet. Leid das die betroffenen Menschen für immer traumatisiert.

Ich habe höchsten Respekt vor denen, die nicht von den Nachrichten aus den USA verführt wurden und noch anderen Nachrichten zuhören und denen die sich auch noch nicht vor lauter Zweifel von den Nachrichten abgewendet haben. Persönlich habe ich in den letzten Wochen ein wenig die wirklich schrecklichen Dinge in der Welt aus den Augen verloren, abgelenkt von einem sabberenden Clown. Ich will mich aber bessern und die Menschen in Syrien, im Libanon und hier in Deutschland nicht vergessen. Ich will mich jetzt wieder erinnern, an die, die maximal Leiden und wirklich unsere Hilfe brauchen.

Autor: Laura Tufano

Berliner Göre mit Berliner Töle. Filmemacherin, Autorin und Schauspielerin.

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